ÜBERBLICK TRINKWASSERVERORDNUNG

Sauberes Trinkwasser – selbstverständlich!?

Text: Dr. Marc von Essen | Foto (Header): © samopauser – stock.adobe.com

Egal, ob in der Küche, im Badezimmer, im Keller oder an sonstigen Wasserhähnen: In Deutschland sind wir es gewohnt, dass zu Hause überall kühles, klares, geruchs- und geschmacksneutrales Wasser aus der Leitung sprudelt. Je nach Wohnlage ändern sich Wasserdruck und Wasserhärte, aber das ist auch schon alles, was dem Laien auf den ersten Blick ins Auge sticht – sofern keine technischen Defekte vorliegen. Man kann also sagen: In Deutschland kann man sich auf eine hervorragende Wasserqualität und ständige Verfügbarkeit verlassen. Oft wird unser Trinkwasser sogar als das „bestuntersuchte Lebensmittel“ angepriesen. Doch warum ist es so wichtig, dieses Naturprodukt so gut zu untersuchen?

Auszug aus:

EHSQ-Manager
Ausgabe November 2018
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In vielen Regionen wird Grundwasser aus sehr tiefen Erdschichten zur Trinkwassergewinnung genutzt. In anderen Regionen wird sog. Uferfiltrat als Ausgangsstoff für die Trinkwassergewinnung verwendet.

Wer kann sich vorstellen, Wasser aus vielbefahrenen Flüssen, wie z. B. dem Rhein, zu trinken, der lange Jahre als die Kloake Europas galt? Doch auch das ist heute z. B. in der Region Mainz eine Selbstverständlichkeit. Natürlich ist niemandem zu raten, direkt aus dem Rhein zu trinken, genauso wenig wie man einfach Grundwasser zu sich nehmen sollte. Beide Wässer durchlaufen eine komplexe Aufbereitung im Wasserwerk und einen langen Weg durch ein Verteilungsnetz, bis sie schließlich in der Hausinstallation angelangen. So der Stand heute.

Bier statt Trinkwasser

Blickt man zurück in die Vergangenheit, so kennt jeder die Geschichten von den Babyloniern, die ca. 1700 vor Christus bereits im Codex Hammurapi verschiedene Biere kannten. Bier war damals eine Möglichkeit, die Bevölkerung mit genießbaren Getränken zu versorgen. Das Wasser aus Flüssen und Seen war mangels Aufbereitungsmöglichkeiten mit Keimen und anderen Verschmutzungen belastet. Das Brauen jener Zeit ließe sich demnach fast als der erste Schritt zur Wasseraufbereitung betiteln. Ebenso in jüngerer Geschichte gibt es diverse Beispiele. Die Römer schenkten an ihre Soldaten Wein aus, der in weiten Teilen das Trinkwasser ersetzte. Neben der schieren Flüssigkeitszufuhr machte der Alkohol die Krieger etwas mutiger und wirkte sich sicherlich ebenso auf die Stimmung der Truppe aus. Wie wäre es, wenn heute noch Bier und Wein statt Wasser getrunken würde? Für den einen oder anderen wäre es sicher spannend, dieses Gedankenspiel etwas weiterzuführen …

Doch bleiben wir noch etwas bei den alten Römern. Aufbauend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Griechen, gelten die Römer als echte Meister der Hydraulik und der Hydrologie. Mit ihren Bauwerken, wie z. B. Brunnenfassungen, Talsperren und Wasserhebewerken waren sie Vorreiter für unsere heutige Wasserinfrastruktur. So manches Aquädukt lässt sich noch heute in der Landschaft bestaunen. Doch bei allem Knowhow, einen Wehrmutstropfen kennt jeder: Die Römer nutzten Bleileitungen und vergifteten sich somit allmählich selbst.

Ein Liter Europa

Seit jenen Tagen ist viel passiert. Fortschritte in Wissenschaft und Technik, aber auch in Gesellschaft und Recht mündeten im Europa, wie wir es heute kennen. Viele denken nun wohl zunächst an den Euro oder langweilige Diskussionen im EU-Parlament. Nein, ganz selbstverständlich hat Europa direkten Einfluss auf unser tägliches Trinkwasser. Unsere Trinkwasserverordnung (TrinkwV) dient der Umsetzung von Richtlinien des Europarates in nationales Recht.

Die „Richtlinie 98/83/EG des Rates vom 3. November 1998 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch“ greift umfangreich weitreichende Themen auf und findet sich zu einem großen Teil in der TrinkwV wieder. Die „Richtlinie 2013/51/ EURATOM“ beschäftigt sich mit radioaktiven Stoffen, die sich vorwiegend aus Gesteinsschichten und Böden ins Wasser lösen. Diese Thematik ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt und betrifft in erster Linie die Wasserversorger.

Trinkwasserhygiene – ein Thema der Anderen?

Betrifft mich als Privatperson, Hausverwalter, Installateur, Eigentümer oder sonstiger Inhaber die TrinkwV überhaupt? Ja, denn der Zweck der Verordnung ist es, die menschliche Gesundheit vor den nachteiligen Einflüssen, die sich aus der Verunreinigung von Wasser ergeben, das für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist, durch Gewährleistung seiner Genusstauglichkeit und Reinheit nach Maßgabe der folgenden Vorschriften zu schützen. Das heißt im Umkehrschluss, jeder, der an der Bereitstellung von Trinkwasser beteiligt ist, trägt ein Stück der Verantwortung. Als Privatperson kann ich mir in Deutschland sicher sein, dass mein häusliches Trinkwasser die hohen Anforderungen der TrinkwV erfüllt. Andere Regeln gelten z. B. bei natürlichem Mineralwasser, Heilwasser, Schwimm- und Badebeckenwasser.

Aber was ist nun Trinkwasser genau? Trinkwasser wird i. S. d. Verordnung unabhängig vom Aggregatzustand als solches definiert, wenn es zum Trinken, Kochen, zur Zubereitung von Speisen oder anderen häuslichen Zwecken bestimmt ist. Zu diesen häuslichen Zwecken zählen auch die Körperpflege, das Geschirrspülen oder das Wäschewaschen. Ebenso spielt es keine Rolle, ob das Wasser in Leitungswegen, in Transportfahrzeugen, an Bord von Land-, Wasser- oder Luftfahrzeugen oder in verschlossenen Behältnissen bereitgestellt wird. Natürlich zählt auch das Wasser, das in einem Lebensmittelbetrieb für die Herstellung, Behandlung, Konservierung oder das Inverkehrbringen von Lebensmitteln bestimmt ist, als Trinkwasser.

Als Thema von öffentlichem Interesse machten vor wenigen Jahren die Legionellen Schlagzeilen. Hierbei handelt es sich um Bakterien, die die Legionärskrankheit auslösen und nicht behandelt schnell zu schwersten Erkrankungen bis hin zum Tode führen können. Sie hielten 2011 Einzug in die TrinkwV und nahmen somit zum ersten Mal die Betreiber von Trinkwasser-Installationen, die sog. Unternehmer oder sonstige Inhaber (UsI), formaljuristisch in die Pflicht. Die Verantwortung für gutes Trinkwasser, die vorher der Staat bzw. die Wasserversorger innehatten, wurde so ein Stück weit an „Normalbürger“ weitergereicht.

Was muss untersucht werden?

Den Kern der TrinkwV stellen chemische, physikalische und mikrobiologische Parameter dar, die es zu überwachen gilt. So gibt es eine Reihe an Grenzwerten, deren Einhaltung die Genusstauglichkeit nach aktuellem Kenntnisstand sichert. Diese Parameter lassen sich in unterschiedliche Gruppen einteilen. Chemische Parameter, deren Konzentration sich im Verteilungsnetz einschließlich der Trinkwasser-Installation i. d. R. nicht mehr erhöhen. Hier gilt Nitrat als Paradebeispiel, aber auch Pflanzenschutzmittel wie z. B. Glyphosat und weitere Vertreter spielen eine wichtige Rolle. Viele dieser Substanzen gelangen durch natürliche Prozesse oder aufgrund von menschlichen Aktivitäten (z. B. extensiver Landwirtschaft) ins Wasser.

Zu den chemische Parametern, deren Konzentration im Verteilungsnetz einschließlich der Trinkwasser-Installation ansteigen kann, zählen u. a. Blei, Kupfer und Vinylchlorid. Der Grund ist klar: Diese Stoffe wurden mitunter für den Rohrleitungsbau eingesetzt. Obwohl nicht zuletzt aufgrund des Wissens um die alten Römer mit Nachdruck versucht wird, Leitungswege schnellstmöglich durch moderne, unbedenkliche Werkstoffe zu ersetzen, ist zu vermuten, dass eine unbestimmbare Dunkelziffer noch über Jahre in Betrieb bleibt. Die sog. allgemeinen Indikatorparameter geben einen ersten Anhaltspunkt über die Beschaffenheit des Wassers. Zu ihnen zählen Parameter wie Geruch, Geschmack und Trübung, die jeder Nutzer sofort beim Öffnen des Wasserhahns wahrnehmen kann. Besondere Bakterien sind die Vertreter der Gattung Legionella, die landläufig als Legionellen bekannt sind. Sie werden als spezieller Indikatorparameter für Anlagen der Trinkwasser-Installation beschrieben. Als jüngste Gruppe haben radioaktive Substanzen als Parameterwerte für Radon-222, Tritium und Richtdosis Einzug in die TrinkwV gefunden. Die Untersuchungsmodalitäten betreffen vornehmlich die Wasserversorger, während bei den Legionellen die Hausinstallation in den Fokus rückt.

Alles Definitionssache!?

Da von der Quelle bis zur Zapfstelle viele verschiedene Leistungserbringer verzahnt sind, definiert die TrinkwV eine Reihe an Begriffen. Mit Blick auf den Schwerpunkt Immobilien gibt es zentrale Begriffe und Definitionen, die Sie auf jeden Fall kennen sollten. Die „Trinkwasser-Installation“, oft auch Hausinstallation genannt, umfasst alle Rohrleitungen, Armaturen und Apparate zwischen dem Übergabepunkt des Wasserversorgers und dem Entnahmepunkt des Nutzers. Etwas leger könnte man formulieren: Alle Wasserwege zwischen häuslicher Wasseruhr und dem Wasserhahn in der Wohnoder Nutzungseinheit. Die Nutzungsart der Immobilie spielt dabei zunächst keine Rolle, da sie sich nicht auf den Untersuchungsumfang, sondern ausschließlich auf den maximalen Untersuchungsturnus auswirkt. Daher sind zwar grundsätzliche Definitionen zu „gewerblicher Tätigkeit“ (z. B. Vermietung) und „öffentlicher Tätigkeit“ (z. B. unbestimmter, wechselnder und nicht durch persönliche Beziehungen verbundener Nutzerkreis) in der TrinkwV beschrieben, doch diese Trennung ist immer häufiger nicht (mehr) eindeutig. Bei solchen Mischformen empfiehlt es sich, mit dem zuständigen Gesundheitsamt zu sprechen und im Zweifel konservativ vorzugehen.

Wie bei allen Regeln gibt es auch bei der TrinkwV Geltungsbereiche und entsprechende Ausnahmen. So bezieht sich die Untersuchungspflicht für Legionellen nur auf Großanlagen zur Trinkwassererwärmung. Als solche ist Speicher- oder zentrales Durchflusstrinkwasser definiert, die einen Inhalt von mehr als 400 l aufweisen oder zwischen Trinkwassererwärmer und Entnahmestelle Rohrleitungen mit mehr als 3 l Volumen liegen. Der Inhalt einer Zirkulationsleitung wird dabei nicht berücksichtigt. Ein- und Zweifamilienhäusern zählen dabei nicht als Großanlagen im Sinne der TrinkwV, selbst wenn sie die vorher genannten Volumina aufweisen.

War in früheren Absätzen von Grenzwerten die Rede, so zog mit den Legionellen der Begriff des „technischen Maßnahmenwertes“ in die TrinkwV ein. Im Gegensatz zu einem z. B. toxikologisch ermittelten Grenzwert handelt es sich hierbei um eine Größe, bei deren Überschreitung eine von der Trinkwasser-Installation ausgehende vermeidbare Gesundheitsgefährdung zu besorgen ist. Daraus folgend werden Maßnahmen zur hygienisch-technischen Überprüfung der Trinkwasser-Installation im Sinne einer Gefährdungsanalyse eingeleitet.

Bei der Gefährdungsanalyse handelt es sich um die systematische Ermittlung von Gefährdungen der menschlichen Gesundheit sowie von Ereignissen oder Situationen, die zum Auftreten einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch eine Wasserversorgungsanlage führen können. Hierzu ist die Wasserversorgungsanlage zu beschreiben sowie Beobachtungen bei der Ortsbesichtigung festzuhalten. Auch Erkenntnisse über die Wasserbeschaffenheit, das Nutzungsverhalten sowie Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln der Technik und vorliegende Laborbefunde sind zu berücksichtigen.

Verantwortung und Pflichten

Schon im § 4 „Allgemeine Anforderungen“ der TrinkwV wird deutlich, wie stark der Gesetzgeber den Unternehmer oder sonstigen Inhaber (UsI) in die Pflicht nimmt. Jedoch geht es hier zunächst um den UsI der Wasserversorgungsanlage. Er muss in seinem Verantwortungsbereich dafür sorgen, dass sein Trinkwasser den Anforderungen der TrinkwV entspricht.

Der Eigentümer, Betreiber, Verwalter etc. (UsI der Trinkwasser-Installation) einer Liegenschaft nimmt vom Wasserversorger das Produkt Trinkwasser mit definierter Qualität ab und gibt es an seine Mieter bzw. Nutzer weiter. Obwohl Letztere häufig selbst Vertragspartner des Wasserversorgers sind, stellt der Immobilienbetreiber die Trinkwasser-Installation zur Verfügung und ist somit gemäß TrinkwV in der Verantwortung. Insbesondere bei den Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec. (§ 14b) fordert ihn die TrinkwV zur systemischen Untersuchung auf, wenn

  • Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird,
  • sich in der Wasserversorgungsanlage eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung befindet,
  • die Wasserversorgungsanlage Duschen oder andere Einrichtungen enthält, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt.

Diese Untersuchung muss mindestens alle drei Jahre wiederholt werden, sofern die Trinkwasserabgabe nicht innerhalb einer öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird. Es obliegt jedoch dem zuständigen Gesundheitsamt, die Intervalle anzupassen.

Die TrinkwV zitiert neben der Norm zur Probenahme (DIN EN ISO 19458) noch diverse weitere Normen, Empfehlungen und Regeln, deren Verwendung somit rechtsverbindlich ist. Die genaue Zusammenstellung oder Detailkenntnis zum Inhalt der Normen ist für den UsI eher nachrangig. Wichtig hingegen ist, dass nur zugelassene Laboratorien (oder dort ins Qualitätsmanagement eingebundene Dritte) Probenahme und Analytik für den Bereich der TrinkwV anbieten dürfen. Diese stellen i. d. R. neben dem tatsächlichen Befund oder Analysenbericht auch Beiblätter zur Verbraucherinformation bereit, denn der UsI muss den betroffenen Verbraucher mindestens jährlich aktuelles Infomaterial zum bereitgestellten Trinkwasser übermitteln. Häufig wird die Legionelleninformation am Schwarzen Brett der Liegenschaft ausgehängt. Schauen Sie beim nächsten Vorbeigehen einfach mal aufmerksam hin, wenn Sie am Schwarzen Brett vorbeigehen.

Die Trinkwasserverordnung ist ein komplexes Regelwerk mit vielen Querverweisen und normativen Verzweigungen. Ist man kein Trinkwasserexperte, Normenliebhaber oder Jurist, so verliert man schnell den Überblick und irgendwann zwangsläufig die Lust, sich mit dem staubtrockenen Stoff zu beschäftigen. Trotzdem ist jeder, der Trinkwasser gewerblich oder öffentlich bereitstellt, dazu verpflichtet, die Qualitätsansprüche der TrinkwV einzuhalten, die Beschaffenheit des Wassers regelmäßig untersuchen zu lassen und die Verbraucher darüber zu informieren. So will es der Gesetzgeber.

Informieren Sie sich bei Gesundheitsämtern, Laboren und ggf. Ihrem Installateur, um Ihren Teil zur Erfüllung der TrinkwV beizutragen. Bestimmungsgemäßer Betrieb der Trinkwasser-Installation, eine offene Kommunikation mit den Nutzern sowie fachgerechte Instandhaltung sorgen dafür, dass langfristig eine hohe Wasserqualität erhalten bleibt. Dies ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern schont langfristig auch die Nerven sowie schlussendlich auch den Geldbeutel von UsI und Nutzern.

Der Autor

Dr. Marc von Essen verbrachte als promovierter Wasserchemiker fast die Hälfte seines Lebens im Labor. Als international erfahrener Experte für Schadstoffe zwischen Brunnen, Hausinstallation, Kläranlage, Flüssen und Meeren verfasste er zahlreiche Fachartikel und gab 2018 als Herausgeber des Handbuchs Trinkwasservorschriften sein Debüt in der FORUM VERLAG HERKERT GmbH.

Autor von Essen

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